

Die Geschichte der Utrechter Smedengild (Schmiedezunft) und des St. Eloyen Gasthuis (Gästehaus St. Eloy) erstreckt sich über mehr als sieben Jahrhunderte. In aller Kürze möchten wir Ihnen einen Eindruck von der reichen Vergangenheit und Gegenwart dieses Utrechter Erbes vermitteln.
Eloy, Eligius, St. Eloy
Eloy oder Eligius lebte von 588 bis 659 n. Chr. in Frankreich. und war Hufschmied, zunächst Goldschmied und später noch Münzmeister. Eloy wurde Bischof von Noyon und christianisierte die Bevölkerung Nordfrankreichs und Flanderns. Nach seiner Heiligsprechung wurde er Schutzpatron der Schmiede. Über Eloy kursieren viele Geschichten. In einem von ihnen soll er einem widerspenstigen Pferd das Bein abgeschnitten haben, den Huf beschlagen und dann erfolgreich wieder das Bein ersetzt haben.
Die Ursprünge der Zünfte
Bereits im 13. Jahrhundert gab es Handwerkerbruderschaften. Im Utrechter Zunftbrief aus dem Jahr 1304 wurde festgelegt, dass in Utrecht einundzwanzig solcher Berufsverbände zu Zünften erhoben wurden, wobei jede Zunft mit eigenen Rechten und Pflichten verbunden war, was einer Monopolstellung der Zünfte gleichkommen kann. Auch die Verwaltung und Justiz in der Stadt, die bis dahin in den Händen des Adels und der Kirche lag, fiel faktisch in die Hände der Zünfte Zu diesen Vereinen gehörte auch die Zunft der Utrechter Schmiede, die Schmiedegilde St. Eloy. Zu den Mitgliedern dieser Zunft gehörten Hufschmiede, Schlosser, Gold- und Silberschmiede sowie Schmiede unterschiedlichster Berufe. Diese Schmiede übten ihren Beruf in und um die Smede Steghe (Smeestraat) aus, die sich in der Nähe des damaligen Stadtaußenkanals befand – außerhalb des hauptsächlich aus Holzhäusern bestehenden Stadtzentrums – dies in Zusammenhang mit der Gefähr eines Brandes, weil die Schmiede ja mit Feuer arbeiten.
Das Gildenhuys, ’t Loyengasthuis, St. Eloyen Gasthuis
Obwohl es zuvor in einem Kloster am Minrebroederstaat in Utrecht einen Versammlungsraum für Schmiede gab, kaufte die Gilde um 1440 das Haus in der Bot(t)erstraat, das neben dem Kaffeehaus De Hollandsche Tuin (Het Huys ter Wouw) lag. Auch die Utrechter Schmiedezunft bot in den Mauern dieses Zunfthauses Unterkunft für arme oder bedürftige Brüder. Die Funktion eines Gasthauses wird erstmals 1446 in den sorgfältig gepflegten und gut erhaltenen Archiven der Zunft erwähnt. Das Archiv ist nach wie vor eine reichhaltige Informationsquelle für Interessierte und Studenten.
Die Utrechter Schmiedezunft war in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht eine sehr wichtige Zunft. Sie verlieh Geld an Bürger der Stadt, aber auch wiederholt an den Stadtrat von Utrecht. Die Schmiedezunft hatte, wie fast alle anderen Zünfte der Stadt, “Oudermannen“ im Stadtrat. Im Jahr 1528 übertrug die römisch-katholische Kirche die Macht vom Nedersticht, zu dem die Stadt Utrecht gehörte, auf Karl V, was weitreichende Folgen für die Stadt hatte. Karl V ernannte einen Stadthalter und ließ in Utrecht einen neuen Stadtrat einrichten, was der blühenden Herrschaft der Zünfte ab 1304 endgültig ein Ende setzte. Die Zünfte verloren die Kontrolle über die Stadt, was jedoch den Fortbestand der Zünfte selbst nicht behinderte. Im Jahre 1644 kauft die Schmiedengilde das Kaffeehaus “de Hollandsche Tuin“ auch wohl “Huis ter Wouw“ geheißen, an der Ecke der Alendorpgasse mit Garten und dem darin geliegenen Kolfbaan “Schlagballfield“. Diese Field wird in Jahre 1884 dem Huys angegliedert und in Jahre 1901 gründeten die Brüder den Schlagballclub Utrecht. Der Club schließt sich dem im Jahre 1885 gegründeten Niederländischen Schlagballbund an, dem anläßlich seines einhundertjährlichen Bestehens das Prädikat “königlich“ verliehen wurde. Immer noch wird von den Brüdern innerhalb- und außerhalb der “Huys“ Schlagball gespielt als Mitglieder des “Kolfclubs Utrecht St. Eloyen Gasthuis““.
Ende der Gilden
Unter Napoleons Herrschaft wurden die Handwerkszünfte in 1798 abgeschafft. Die Macht der Zünfte – also die Anforderungen, die eine Zunft an die Ausübung ihres Berufs stellte und festlegte, wann jemand in das Gewerbe eintreten konnte – verschwand und die freie Niederlassung von Handwerkern wurde möglich. Auf Anraten der Vroedschap ließ sich unter anderem die Schmiedezunft 1805 beim Vorgänger der heutigen Handelskammer unter den Namen Handelsbedrijf der Smeden registrieren. Auf diese Weise wurden die Rechtspersönlichkeit und das Vermögen der Schmiedezunft gesichert, mit der Zunft war es jedoch ab 1817 offiziell endgültig vorbei.
Ziele
Ziel und Aufgabe des “Handelsbedrijf der Smeden“ ist es bis heute, das Eigentum der ehemaligen Zunft zu überwachen und die Angelegenheiten des “St. Eloyen Gasthuis“ zu beaufsichtigen. Die Bruderschaft des “St. Eloyen Gasthuis“ setzt sich vor allem ein für die Erhaltung und lege der Immobilien, das Fortbestehen der Traditionen und die Wohltätigkeit (Karitas).. Durch den finanziellen Niedergang der Zunft seit 1528 wurde die Wohltätigkeit ernsthaft gefährdet. Im Jahr 1530 erteilte Stadthalter De Laling die Erlaubnis, im gesamten Stadtgebiet ein Gebet (Sammlung) abzuhalten, und nachher wurde unter anderem durch den Nachlass von Van Dashorst die Wohltätigkeit in den Zeiträumen seitdem – manchmal teilweise – ermöglicht.
Van Dashorst
Im Jahr 1603 hinterließ der in 1571 verstorbene Zunftbruder Meisterschmied Adriaen Willemsz.van Dashorst etwa die Hälfte seines mobilen und immobilen Vermögens der Utrechter Schmiedezunft. An sein Vermächtnis hatte er die Bedingung geknüpft, das; “Jeder Woche ein halber Pfennig Brot und ein halber Pfennig Geld an 20 arme Brüder oder andere aufrichtige arme Menschen verteilt werden müssen“. Die Verteilung musste in der Zunftkirche, der Buurkerk, erfolgen. Dies geschah bis zum 1907 auf dem Brottisch, der noch heute an der Nordwand dieser Kirche (heute Museum) hängt. Die Verteilung erfolgte dann bis 1962 im St. Eloyen Gasthuis. Obwohl nicht mehr für Brot gesorgt wird, ist die Wohltätigkeit (Karitas) für die Bruderschaft immer noch von größter Bedeutung und wird in angepasster Form und im Geiste von Van Dashorst weitergeführt, derzeit durch einen jährlichen Strukturbeitrag an der “Stichting Noodhulp Utrecht“. Dank des Nachlasses von Van Dashorst hatte die Zunft auch die Möglichkeit, den baulichen Zustand des Zunfthauses zu verbessern. Der große Saal (heutzutage Regentenzaal genannt) wurde renoviert und mehrere Gemälde wurden angekauft.Im Jahr 1644 wurde ein neuer Eingang geschaffen. Es ist das Tor, durch das man noch immer das St. Eloyen Gasthuis eintretet.
Organisation und Bräuche
Das Handelsbedrijf der Smeden besteht seit 1805 und der Vorstand besteht heute, wie bei seiner Gründung, aus acht Kommissaren. Der Älteste von ihnen wird zum Deken (Vorsitzenden) ernannt. Der Deken bekräftigt eine Anstellung zum Mitglied der Bruderschaft der Schmiedegilde von St. Eloy. aus Vorschlag des Hausmeisters der Bruderschaft des “St. Eloyen Gasthuis“. Aus den Reihen der Gildenbrüder werden 16 Regenten gewählt. Sie stehen das St. Eloyen Gasthuis vor. Der Vorsitzende dieses Regentenrates ist der Hausmeister und der Schatzmeister heißt Busmeister des “St. Eloyen Gasthuis“. Die Kandidaten für die Bruderschaft werden Hospitanten (Lehrlingen) oder Aanwerpelingen (Anwerflingen) genannt. Der Hospitant macht während eine Periode von mindestens zwei Jahre unter Aufsicht der Gildenbrüder sein Gildenbruderstück. Wenn dieses nach Ansicht der Regentenbruderschaft mit “genügend“ zu bewerten ist, kann der Hospitant zum Gildenbruder ernannt werden. In Anlehnung an die Tradition der Zunft, die berufliche Eignung von Gesellen zu bewerten, verleiht das “Handelsbedrijf der Smeden“ an mehrere technische Schulen in Utrecht seit 1928 jährlich ein Zertifikat und eine Medaille für die besten erfolgreichen Abschlussprüfungskandidaten in einem Beruf, der am engsten mit dem Schmiedehandwerk verbunden ist.
Gedenktage
Traditionell gedenken die Regenten, Brüder und Hospitanten am oder um den 1. Dezember herum den Todestag ihres Schutzpatrons St. Eloy. Der Tag von St. Jan wird im Juni gefeiert und der Hoveniers-Montag wird immer noch im Juli gefeiert. Im letzten Monat fanden in Utrecht der jährliche Markt und die Messe statt und die Stadt wurde von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten bevölkert. Um die Schmiede vor schlechten Einflüssen und Versuchungen zu schützen, hielt die Zunft ihre Brüder in ihren Mauern und versorgte sie mit Essen und Trinken. Das traditionelle Essen besteht aus Steak (früher Aal), Brot, Waffeln und viel Bier. Es ist die einzige Gelegenheit, bei der auch die Brüder und Hospinaten Gäste einladen können. Das Gasthuis ist am jährlichen Tag des “Open Monumentendag“ am zweiten Samstag im September für jedermann geöffnet.
Auf Wunsch des Hausmeisters ist diese kurze Beschreibung des “St Eloyen Gasthuis“ am 28. Juli 1993 von den Regenten W.J. Wolleswinkel und J. Roodvoets zusammengestellt worden. Es wurde am 19. Juni 1997 von Regent C.A.M. van Woerden umgeschrieben und am 15. November 2024 erneut überarbeitet vom alt Regent und Archivar des “St. Eloyen Gasthuis“, P.C. de Wit.